Trainingstechniken und Hilfsmittel

Es ist für den "Otto-Normal-Hundehalter" fast unmöglich, aus dem Angebot an Hundeschulen, Hundetrainern, Hundepsychologen usw. etwas Sinnvolles und Passendes herauszufiltern.

 

Oft ist es mehr Schein als Sein, denn es gibt keine staatlich anerkannte Ausbildung zum Hundetrainer. Einen Pferdewirt gibt es sogar mit unterschiedlichen Fachrichtungen (Zucht, Ausbildung). Im Hundebereich sucht man vergebens. JEDER darf Hunde ausbilden, und JEDER darf Hundetrainer ausbilden.

Meistens entscheidet das persönliche Gespräch und nicht selten der Preis, wenn es um die Auswahl der Hundeschule geht. Und oft ist der Hundebesitzer nach den ersten Stunden enttäuscht, weil er doch etwas anderes erwartet hat oder mit dem Training nicht klar kommt.

 

Umso wichtiger ist es, daß man als Hundehalter erkennen kann, welche Trainingstechnik, welches Hilfsmittel wie funktioniert und was sinnvoll ist und was nicht.

Ich möchte Ihnen hiermit eine Hilfestellung anbieten, das Richtige für Sie (und Ihren Hund) herauszufiltern.

 

Es gibt ein ganz einfaches Prinzip, mit dem Sie auf Anhieb jede Trainingstechnik und jedes Hilfsmittel als gut oder schlecht erkennen können.

 

Vereinfacht dargestellt gibt es für den Hund 4 mögliche Konsequenzen:

1.               Es folgt eine Belohnung (positive, motivierende Konsequenz) 

Der Hund setzt sich am Straßenrand und bekommt eine Belohnung.

= positive Konsequenz - das Verhalten wird häufiger gezeigt, um die Belohung zu bekommen

 

 

2.               Eine Belohnung wird entzogen (negative, motivierende Konsequenz) 

Der Hund beißt beim Spiel zu fest zu, woraufhin der Spielpartner das

Spiel sofort beendet.

= negative Konsequenz - das Verhalten wird weniger häufig gezeigt

um das Spiel nicht enden zu lassen


 

3.               Es folgt eine Strafe (negative, hemmende Konsequenz) 

Der Hund zieht an der Leine und erhält einen schmerzhaften

Halsbandruck

= negative Konsequenz - das Verhalten wird weniger häufig gezeigt,

um den schmerzhaften Ruck zu verhindern


 

4.               Eine Strafe wird aufgehoben (positive, aber angst- und stressauslösende Konsequenz) 

Um dem Hund „Platz“ beizubringen, wird er an Schulter und Hüftbereich nach unten gedrückt.

= positive Konsequenz - das Verhalten (sich hinlegen) wird häufiger gezeigt, um die Bedrohung (Druck an Schulter und Hüfte) schnell zu beenden oder zu vermeiden

 

Jede Trainingstechnik und jedes Hilfsmittel kann in diese 4 Kategorien eingeteilt werden.

 

Unbestritten ist, daß Hunde Gefühle haben. Diese spielen beim Training eine wichtige Rolle!

 

Fühlt der Hund sich wohl, hat er Vertrauen, kann er auch gut lernen.  Unter diesen Umständen Erlerntes wird immer mit positiven Gefühlen verbunden sein und gerne abgerufen werden.

 

Fühlt der Hund sich unwohl, hat Angst, ist mißtrauisch, kann er schlecht bis gar nicht lernen. Unter diesen Umständen Erlerntes wird immer mit negativen Gefühlen verbunden sein und ungern abgerufen werden.

 

Deshalb sollten Trainingstechniken und Hilfsmittel bevorzugt werden, bei denen der Hund belohnt wird oder bei denen ihm eine Belohnung entzogen wird. Beide Möglichkeiten motivieren den Hund.

 

Trainingstechniken und Hilfsmittel, die überwiegend negative Gefühle hervorrufen, sollten vermieden werden. Diese hemmen den Hund, verursachen Ängste, Stress und Mißtrauen. Nicht selten reagieren Hunde dann auch aggressiv. Zusätzlich ist es für den Menschen unter Alltagsbedingungen unmöglich, die Regeln für ein Training über Strafe einzuhalten.

Oder können Sie alle folgenden Fragen mit Ja beantworten?

 

Haben Sie die Möglichkeit, immer sofort zu Beginn des unerwünschten Verhaltens strafend einzuwirken?
Haben Sie die Möglichkeit, ungewollte Verknüpfungen der Strafe mit Umweltreizen auszuschließen?
Haben Sie die Möglichkeit, allen ungewollt mit Strafe verknüpften Umweltreizen künftig auszuweichen?
Ist Ihnen eine lückenlose Überwachung des Hundes möglich, damit das unerwünschte Verhalten IMMER und SOFORT bestraft wird?

 

Wie oft konnten Sie mit JA antworten?

Damit Strafe auch die vom Menschen gewünschte Lernverknüpfung im Hund hervorbringen kann, muß nicht nur eine der o.g. Voraussetzungen erfüllt sein, sondern ALLE!
(aus „Die Welt in seinem Kopf“ von Dorothée Schneider, erhältlich im Animal-Learn-Verlag)

 

Das Training über Strafe ist also extrem fehlerintolerant. Mit anderen Worten: SIE dürfen beim Training keine Fehler machen!

Allein das ist Grund genug, über ein Belohnungssystem zu arbeiten.

 

Ihr Hund kann sich außerdem nicht für eine Trainingstechnik entscheiden. Er kann auch nicht sagen, welches Hilfsmittel er bevorzugt. Er muß mit dem klar kommen, was Sie für richtig halten!
Ihrem Hund zuliebe versetzen Sie sich in die Lage Ihres Hundes und entscheiden dann, welches Training, welches Hilfsmittel Sie anwenden wollen.

 

Es würde den Rahmen sprengen, hier alle Trainingstechniken und Hilfsmittel aufzuführen, deshalb hier nur die üblichsten:

Halsbandruck (jegliche Halsbänder)

Negative Konsequenz
- hemmt den Hund

verursacht Schmerzen, Angst, Fehlverknüpfungen mit der Umwelt
gesundheitliche Schäden an Halswirbelsäule, Bandscheiben, Luftröhre, Kehlkopf und Schilddrüse können verursacht werden

Belohnung über Futter

Positive Konsequenz
- motiviert den Hund






Negative Konsequenz
- motiviert den Hund

Befriedigt ein Grundbedürfnis, kann variiert werden in Qualität und Quantität
einfach zu handhaben
Motivation (Hungergefühl) des Hundes kann kontrolliert werden
kann immer und überall eingesetzt werden

kann durch Entzug als „Strafe“ eingesetzt werden (wirkt trotzdem motivierend, da der Hund die Belohnung ja haben will)

Belohnung über Spielzeug

Positive Konsequenz
- motiviert den Hund

Negative Konsequenz
-motiviert den Hund

Befriedigt ein Grundbedürfnis (Spiel, Bewegung, Jagdverhalten)
nicht immer einsetzbar

 

kann durch Entzug als „Strafe“ eingesetzt werden (wirkt trotzdem motivierend)

Verhaltensunterbrechung durch Wurfkette, Disc-Scheiben, Rappeldose, Sprühhalsband

Negative Konsequenz
- hemmt den Hund

Verursacht Schreck, Angst, Fehlverknüpfungen mit der Umwelt, kann nur unter Laborbedingungen direkt mit dem Verhalten in Verbindung gebracht werden

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Positive Konsequenz
- motiviert den Hund

Kündigt eine Belohnung an, wirkt extrem motivierend, kann optimal mit dem Verhalten in Verbindung gebracht werden, Hund ist aktiver Trainingspartner (denkt mit), fördert Vertrauen und Bindung

Rangordnung

Nicht einzuordnen

Ist heftig umstritten, da eine Rangordnung aus biologischer Sicht nur innerhalb einer Art gebildet werden kann. Nicht selten verursachen Rangreduktionsprogramme Ängste und Misstrauen, da der Hund das Verhalten des Menschen nicht vorhersehen und auch nicht verstehen kann