EINE  KLEINE  EINFÜHRUNG  IN  DAS  LERNVERHALTEN

Die Fähigkeit zum Lernen ist angeboren. Lernen beschreibt einen Vorgang im Gehirn, mit dem es möglich ist, das Verhalten den Gegebenheiten der Umwelt anzupassen. Diese Fähigkeit nutzen wir!

 

Die Basis meines Trainings bildet das Prinzip der positiven Bestärkung. Das Prinzip ist leicht erklärt: Der Hund lernt selbstständig, welches Verhalten Erfolg bringt und welches nicht. Die Betonung liegt dabei auf selbstständig. Dominanz und körperliche Überlegenheit spielen beim Lernen keine Rolle! Wir arbeiten mit sogenannten positiven Markersignalen, welche dem Hund ganz klar sagen für welche Aktion er belohnt wird. Vergleichbar mit einem Textmarker wirdzunächst das Verhalten über das Markersignal bestätigt und erst anschließend belohnt.

 

Um einem Hund etwas zu lehren, muß man sich folgenden TATSACHEN bewusst sein:

·       Hunde verknüpfen sekundengenau Situationen, Personen, Gegenstände, Geräusche uvm.

        mit der dabei erlebten Stimmung bzw. Tätigkeit.

·       Hunde lernen über positive und negative Erfahrungen

·       Hunde lernen erfolgsorientiert

·       wird ein Verhalten verstärkt (= Erfolg), wird es häufiger gezeigt

        ACHTUNG! Strafe kann auch eine Verstärkung sein, wenn der Hund trotzdem Erfolg hat

        (Aufmerksamkeit bekommen)

·       wird ein Verhalten ignoriert oder verhindert (= kein Erfolg), wird es seltener gezeigt

·       Strafen haben viele negative Nebeneffekte (z.B. Angst, Stress, verteidigendes

        Verhalten)  und sollten deshalb nur sehr kontrolliert eingesetzt werden

·       Angst und Stress kann man nicht bestrafen 

 

 

Lernbedingungen

Lernen sollte in stressfreier, angenehmer Umgebung stattfinden. Die Ablenkung sollte der Trainingssituation angepasst sein, also anfangs am besten ganz ohne Ablenkung, dann geringe Ablenkung und langsam steigern.

Wichtig ist, dass der Hund Spaß am Lernen hat. Aus diesem Grund verzichten wir beim Lernen auf Strafen.

 

 

Für das Training mit dem Hund ist es gut, wenn man über folgende Lernformen informiert ist:

 

Assoziationslernen - Lernen durch Verknüpfung

Assoziationslernen ist die gedankliche Verknüpfung zweier (annähernd) gleichzeitig auftretender Reize. Studien aus jüngster Zeit belegen, dass „gleichzeitig" als nicht länger als 0,2 - 0,5 Sekunden zu definieren ist!

Beispiel:
Der Hund beobachtet Kühe, berührt dabei mit der Nase einen Elektrozaun und bekommt einen Stromschlag.

Der optische Reiz „Kühe" wird mit dem Schmerzreiz verknüpft. Der Hund lernt, dass Kühe Schmerzen verursachen...

 

Ebenso werden Reize miteinander verknüpft, die IMMER aufeinander folgen

(Ursache - Wirkung).

 

Beispiel:

Der Hund darf immer den Joghurtbecher auslecken, nachdem der Mensch diesen geleert hat. Der Hund lernt, das Aufreißen des Bechers kündigt das Auslecken des Joghurts an!

Noch ein Beispiel:

Es klingelt an der Tür und Besuch kommt herein, die den Hund begrüßen, ihn streicheln und ihm Aufmerksamkeit schenken.

Der Hund lernt, das Klingeln kündigt nette Menschen an!

Und noch ein Beispiel:

Der Mensch zieht sich die „Hundespaziergehschuhe" an und schon steht der Hund mit wedelnder Rute und hocherfreut an der Tür. Zieht der Mensch allerdings die „Büroschuhe" an, bleibt der Hund auf seiner Decke liegen. Der Hund hat gelernt, das Anziehen von bestimmten Schuhen kündigt einen Spaziergang an.

 

Bei dieser Form des Lernens (Ursache-Wirkung) sprechen wir von der klassischen Konditionierung (nach Iwan Pawlow).

Der Hund verbindet gedanklich einen zunächst unbekannten Reiz („Hundeschuhe") mit einer für ihn wichtigen Konsequenz (Spaziergang).

 

MERKE:

Klassische Konditionierung = Verknüpfung eines unbekannten Reizes mit einer bekannten Konsequenz

 

Joghurtbecher (unbekannter Reiz) = Futter (bekannter Reiz)

Das Aufreißen des Joghurtbechers fungiert hier als Bestärkung, das Futter als Belohnung.

 

 

Operante Konditionierung

Hierbei versteht man die Verknüpfung einer zufällig gezeigten Verhaltensweise mit einer positiven oder negativen Konsequenz.

Der Unterschied zur klassischen Konditionierung besteht darin, dass der Hund die Konsequenz seines Verhaltens selber wissentlich, also bewußt beeinflussen kann!

Der Hund kann völlig frei entscheiden, welches Verhalten er zeigt und so durch „Versuch und Irrtum" herausfinden, welches Verhalten zum gewünschten Erfolg führt!

 

Beispiel:

Der Hund erhält ein Stück Futter, sobald er sich zufällig hinlegt.
Nach einigen Wiederholungen wird der Hund sich bewusst hinlegen, um ein Stück Futter zu bekommen.

Der Hund halt also gelernt: Hinlegen = Mensch gibt mir Futter

 

Instrumentelle Konditionierung

Der Unterschied zur operanten Konditionierung besteht darin, dass das Verhalten des Hundes durch den Menschen (bzw. der Umwelt) beeinflusst wird.

Der Mensch gestaltet die Lernsituation so, dass der Hund das Verhalten ohne Hilfe des Menschen oder Hilfsmittel nicht wiederholen kann.

 

Locken wir den Hund mit einer Belohnung, so dient das Locken als Hilfsmittel. Manchmal ist es sehr nützlich! Wir sollten aber immer bedenken, dass wir ein Hilfsmittel (das Locken) auch wieder abbauen müssen, wollen wir es nicht ständig verwenden.

 

Deshalb gehört auch das Locken mit Futter (oder einer anderen Belohnung) zur instrumentellen Konditionierung.

 

Markersignale

Was sind Markersignale und welche Rolle spielen sie beim Training?

Ein positives Markersignal ist ein Signal, welches eine positive Konsequenz ankündigt.

Über dieses Signal können wir dem Hund eine klare Information über die Konsequenz seines Verhaltens geben.

 

Wir erinnern uns:

Der Hund verknüpft sekundengenau und lernt über Erfolg und Misserfolg.

 

Mit einem Markersignal können wir die Zeit zwischen gezeigtem Verhalten und tatsächlicher Belohnung überbrücken!

Der Hund erhält dadurch eine klare Information, welches Verhalten zum Erfolg führt.

 

Mit dem Markersignal „markieren" wir also das Verhalten des Hundes und kündigen ihm gleichzeitig eine Belohnung für dieses Verhalten an. Der Hund verbindet das Verhalten gedanklich mit der angekündigten Belohnung, die dann natürlich auch kommen muß! Alles was der Hund nach dem Markersignal zeigt, wird er nur bedingt mit der Belohnung verknüpfen!

 

 

Die Verwendung von Markersignalen hat viele Vorteile: 

-         der Hund erhält eine klare Information über die Konsequenz seines Verhaltens

-         er kann die Belohnung auf das Verhalten beziehen

-         der Hund wird das gezeigte Verhalten häufiger freiwillig anbieten um eine Belohnung  

              zu erhalten

-         der Hund wird auch aktiv, wenn er keine Belohnung sehen kann

-         der Mensch lernt, seinen Hund genau zu beobachten

-         die Beziehung zwischen Hund und Mensch wird durch die klare Kommunikation positiv

              beeinflusst

 

 

ALLE Hundehalter verwenden Markersignale, die meisten leider unbewußt und daher sehr ungenau. Der Griff in die Tasche, das Rascheln der Tüte, das Klappern der Dose, das berühmte „Fein" ... usw.

All diese Signale werden von unseren Hunden sehr bewusst wahrgenommen und ganz sicher verbinden sie irgendein Verhalten mit der angekündigten Belohnung. Durch diese ungenaue Kommunikation kommt es dann immer wieder zu Missverständnissen.

Wer kennt das nicht? Der Hund setzt sich, sobald wir die Hand in der Tasche haben, aber auf unser „Sitz" reagiert er nur mit einem fragenden Gesichtsausdruck ...

 

Um eben diese Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen, sollten wir lernen mit unseren Signalen bewusster umzugehen.

 

In meinem Training wird daher über das Prinzip der positiven Bestärkung gearbeitet, über Markersignale - nämlich klare Ansagen, klare Konsequenzen!