LEINENAGGRESSION UND LEINENFÜHRUNG

                                                                   

 

Leinenaggression

 

„Eigentlich ist der ganz lieb, das liegt

 

nur an der Leine!"

 

Wie oft haben Sie diesen Satz schon gehört oder sogar selber gesagt?

Dieser Satz ist aber gar nicht falsch und wird oft von Unverständnis begleitet. Auf beiden Seiten...

 

Ursachen

Die Ursachen für Leinenaggression sind vielfältig und selten ist es nur eine Komponente. Das Gehirn des Hundes ist immer aktiv, der Hund lernt immer und überall. Die häufigste Ursache für Leinenaggression ist vermutlich eine Fehlverknüpfung, die dann Angst und Stress nach sich zieht. Ohne Fluchtmöglichkeit bleibt dem Hund dann nur eine Alternative: Angriff.

 

Um negative Fehlverknüpfungen in der Vergangenheit wieder aufzuheben, muß auf ein Halsband verzichtet werden. Egal, wie weich und bequem so ein Halsband sich auch anfühlen mag, es hat einen entscheidenden Nachteil: es schnürt dem Hund die Luft ab, es drückt auf den Kehlkopf und verursacht Schmerzen. Bei Leinenrucken ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, daß das Halsband direkt auf die Bandscheiben im Halswirbelbereich drückt und dadurch bleibende Schäden verursacht:

 

(Quelle: Grafik, Hundeschule Best-Friends, Bochum)

 

 

 

 

 

Es liegt auf der Hand, daß ein Halsband medizinisch nicht zu vertreten ist.

 

Dazu kommt, daß dem Hund  die Luftzufuhr abgeschnitten wird und das auch noch in Situationen, in denen er sich sowieso nicht wohl fühlt. Der Hund ist aber auch nicht in der Lage, die Leine immer und überall locker zu lassen, um damit den Druck im Halsbereich abzustellen. Es ist ihm sogar unmöglich, denn oft genug erfolgt der Druck nicht von seiner Seite, sondern seitens des Menschen. Unbewußte oder unbeabsichtiges Leinenrucken oder Wegziehen des Hundes sorgen für weitere Fehlverknüpfungen.

 

Es kommt zu einem Kreislauf:

                                      

                     Schmerz

 

                   

                               Aufregung                        Stress

                   

                      Angst

 

 

Auch das (unbeabsichtige) Fehlverhalten des Menschen bei Hundebegegnungen, begünstigt ein gesteigertes Erregungsniveau des Hundes.

Oft begegnet man auf schmalen Wegen ohne Ausweichmöglichkeit anderen Hunden. Im  Freilauf würden die Hunde vielleicht erst einmal stehen bleiben, sich langsam in Bögen nähern und weiter gehen. Angeleint ist dies unmöglich. Der Hund wird gezwungen, die Signale des entgegenkommenden Hundes zu ignorieren. Dies löst bei beiden Hunden eine körperliche Stressreaktion aus. Je näher die Hunde sich kommen und je weniger sie sich „normal" verhalten können, umso größer wird die Aufregung, umso höher steigen die Stresshormone. Dem Hund bleiben dann noch zwei Alternativen: Flucht oder Angriff.

Flüchten kann er nicht, da er angeleint vom Menschen immer weiter Richtung Hund gezwungen wird. Also wird er angreifen. Und das hat auch noch Erfolg!

Meistens weichen die Menschen JETZT ERST aus. Verschlimmert wird die Situation auch oft noch von negativen Einwirkungen des Menschen durch Schimpfen, Leine rucken oder sogar körperlicher Gewalt gegen den Hund.

 

Aus ethischen Gründen lehne ich den

 

Einsatz von Ketten- und

 

Stachelhalsbändern, Zughalsbändern mit

 

Stop und Sprühhalsbänder generell ab.

 

 

Lösungsansätze und Training

Das Tragen eines Brustgeschirrs bewirkt häufig schon eine Besserung des Verhaltens, da der Halsbereich des Hundes unberührt bleibt.

Durch ein entsprechendes Training können die Fehlverknüpfungen der Vergangenheit aufgelöst werden. Dabei sorgen wir dafür, daß der Hund neue, positive Verknüpfungen machen kann.

 

Die vorübergehende Vermeidung von unkontrollierten Hundebegegnungen ist in der Anfangsphase des Trainings sehr hilfreich, jedoch nicht immer möglich.

Im Training gehen wir auch auf diese Situationen ein. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, durch diese, für beide Seiten unangenehmen, Situationen zu kommen.

 

Ein weiterer Bestandteil ist der Einsatz der konditionierten Entspannung.

Dabei verbinden wir einen Gegenstand oder ein Signal mit einer völligen Entspannung des Hundes. Diesen Gegenstand oder dieses Signal können wir dann dem Hund bei Hundebegegnungen geben. Das Gehirn des Hundes hat mit diesem Signal ein Gefühl von völliger Entspannung verbunden, wird sich daran erinnern und den Körper auf Entspannung einstellen. In diesem Moment sorgen wir für eine Reduzierung der Stresshormone. Der Hund wird wieder ansprechbar und ist in der Lage ein Alternativverhalten zu lernen.

 

 

Alternativverhalten Blickkontakt

Der Blickkontakt zum Menschen ist ein sehr wirksames Alternativverhalten. Wir erinnern uns: das Gehirn des Hundes reagiert auf Sinnesreize. Schaut der Hund nun permanent in Richtung entgegenkommenden Hundes, wird seine ganze Aufmerksamkeit auch auf diesen Reiz gerichtet. Das Gehirn ruft die Verhaltenweisen ab, die in der Vergangenheit zum Erfolg geführt haben. Der Hund verfällt in sein erlerntes Verhaltensschema, er zeigt Aggressionsverhalten.

Schaut der Hund seinen Menschen an, wird die Aufmerksamkeit auf zwei Reize gerichtet. Die Aufmerksamkeit wird geteilt. Das Gehirn ruft nun nicht ausschließlich die Verhaltensweisen in Verbindung mit dem anderen Hund ab, sondern auch Verhaltensweisen, die mit dem Menschen zusammenhängen.

Der Hund wird anfangs sicherlich immer noch Aggressionsverhalten zeigen, ABER er wird AUCH ein anderes Verhalten zeigen (Blickkontakt zu seinem Menschen).

Wird dieser Blickkontakt nun immer wieder belohnt, wird dieses Verhalten mit einem guten Gefühl als erfolgreich abgespeichert.

Das Gehirn ruft nun bei Hundebegegnungen nicht ausschließlich das aggressive Verhalten ab, sondern auch das ALTERNATIVVERHALTEN „ Blickkontakt".

Das Verhalten „Blickkontakt" ist mit positiven Gefühlen verbunden. Das Gehirn des Hundes bevorzugt Verhalten, welches positiv belegt ist.

Der Hund wird also eher einen Blickkontakt anwenden, als aggressiv zu reagieren.

Dies ist natürlich ein langer Lernprozess, der viel Geduld, Geduld und nochmals Geduld braucht.

 

Der Blickkontakt in solchen Situationen ist der erste Schritt von vielen!

 

 

 

 

Immer ein Thema: Leinenführigkeit

Die Leinenführigkeit ist bei vielen Hunden schlicht und einfach schlecht oder gar nicht trainiert. Nicht selten entsteht durch ein schlechtes Training erst eine Leinenaggression. Auch hier spielen frühere Lernprozesse eine große Rolle. Wurde über Leinenruck und Halsband eine Leinenführigkeit trainiert, so hat der Hund viele negative Verknüpfungen mit der Leine in Verbindung mit seinem Menschen und der Umwelt gemacht. Diese gilt es wieder aufzulösen und in positive Erfahrungen zu verwandeln. Im Training lernen Sie, bewußt mit der Leine umzugehen. Sie lernen, wie schwierig es für einen Hund ist, die Leine immer locker zu lassen. Wir erarbeiten uns Übungen, die auf Sie und Ihren Hund zugeschnitten sind. Was für den einen Hund gut ist, kann für den anderen schlecht sein.