GANZ WICHTIG!

 

Für das Training mit Ihrem angstkranken

 

Hund benötigen Sie in erster Linie

 

Geduld, Geduld und nochmals Geduld.

 

 

 

Umstellung des Trainings auf ein Belohnungssystem (Aufbau und Förderung von Vertrauen und Selbstbewußtsein)

 

Das wichtigste bei der Arbeit mit (angstkranken) Hunden, ist die Umstellung des Trainings auf ein Arbeiten mit Belohnungen. Dabei spielt die Kommunikation zwischen Hund und Mensch eine große Rolle. Hier bietet sich natürlich die Arbeit über Markersignale an (z.B. Clicker).

Der Mensch hat so die Möglichkeit, dem Hund ein klares Signal zu geben:

Das hast du prima gemacht, DAFÜR gibt es eine Belohnung!

(siehe auch Lernverhalten)

Der Hund kann so die Konsequenzen seines Verhaltens und das seines Menschen einschätzen. Das gibt sehr viel Sicherheit und schafft Vertrauen!

 

Zur Vermeidung von aversiven Trainingstechniken  gehört auch der Umgang mit dem Hund im Alltag. Grobes Verhalten gegenüber dem Hund ist grundsätzlich zu vermeiden (bei allen Hunden):

  • Schubsen
  • Anschreien
  • Laute und „böse“ Stimme einsetzen
  • Leinenruck oder den Hund ruckartig wegziehen
  • Jegliche, negative körperlichen Einwirkungen (Ohren umdrehen, in die Nieren kneifen, ins Sitz oder Platz drücken usw.)

 

Machen Sie sich bewußt, wie sie auf Ihren Hund wirken. Oftmals meinen wir es gar nicht böse, der Hund nimmt uns aber als bedrohlich wahr:

  • über den Hund beugen
  • sich frontal (und/oder vornübergebeugt) dem Hund nähern
  • unbewußter Leinenruck oder „halten“ mit der Leine (wir halten die Leine sehr kurz, der Hund kann sich kaum bewegen)
  • anstarren
  • Streicheln und Anfassen, obwohl es dem Hund grad unangenehm ist
  • Lautes, aufgeregtes Geben von „Kommandos“
  • ruckartige, schnelle Bewegungen Richtung Hund

 

Das Training über Markersignale hat noch einen ganz entscheidenden Vorteil. Der Hund lernt eigenständig, Lösungen für Probleme zu finden. Er lernt, nachzudenken! Das kann ihm in angstauslösenden Situationen helfen, seine Angst zu überwinden. Es ist nämlich sehr hilfreich, bei dem Erlernen von Alternativverhalten.

 

Belohnungen sind für die Motivation des Hundes, und damit für effektives Lernen, extrem wichtig. Motivation ist ein innerer Drang, etwas zu erreichen, etwas zu erhalten. Dabei ist die Belohnung dem Hund und der Situation anzupassen, damit die Motivation möglichst hoch ist und der Lernerfolg möglichst effektiv. Es gibt durchaus Hunde, die so gestresst sind, daß Fressen oder Spiel gar nicht möglich ist.  Aber auch für diese Hunde gibt es Belohnungsmöglichkeiten! Im Training lernen Sie, diese Möglichkeiten zu erkennen und effektiv anzuwenden.

 

 

Umstellung auf ein Brustgeschirr

Sollte Ihr Hund ein Halsband tragen, besorgen Sie ihm schnellstmöglichst ein gut sitzendes Brustgeschirr. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Der Hund bekommt auch dann noch Luft, wenn er versucht aus einer bedrohlichen Situation zu flüchten oder Sie ihn festhalten müssen.
  • Sie können Ihren Hund besser festhalten, da das Brustgeschirr die Kraft verteilt
  • Sie greifen nicht in den empfindlichen Halsbereich des Hund ein
  • Halswirbelsäule, Kehlkopf und Schilddrüse werden geschont

 

 

 

Aufbau von Alternativverhalten

Weiterhin ist es sinnvoll, mit dem Hund ein möglichst großes Verhaltensrepertoire aufzubauen. Das können einfache Übungen wie Sitz und Platz sein, aber auch einfache oder schwierigere „Kunststückchen“.
Je größer das Verhaltensrepertoire des Hundes ist, desto mehr alternative Verhaltensweisen kann er in stressigen/angstauslösenden Situationen zeigen. Das gute dabei ist, daß der Hund alles, was er über positive Bestärkung lernt, mit einem guten Gefühl verbindet. Ruft er dieses Verhalten nun ab, werden automatisch die guten Gefühle angestupst. Ruft der Hund nun eines dieser Verhalten in einer angstauslösenden Situation hab, hat er gleichzeitig ein gutes Gefühl.

Und Angst haben und sich gleichzeitig freuen, das geht nicht ;-)

Die positiven Gefühle überwiegen irgendwann und die Angst ist besiegt.

 

 

Beim Training mit angstkranken Hunden nutzen wir verschiedene Therapieformen, die auch aus der Humanpsychologie bekannt sind. Nicht jede Therapieform eignet sich für jeden Hund oder jedes Problem. Deshalb stelle ich hier nur die am häufigsten eingesetzten Therapieformen vor:

 

Gegenkonditionierung (Umkehrung von negativen Gefühlen in positive)

Voraussetzung dafür ist, daß der angstauslösende Reiz bekannt und kontrollierbar ist

Dabei wird der Hund dem angstauslösendem Reiz ausgesetzt, so daß er ihn zwar deutlich wahr nehmen kann, aber die Angst noch nicht überhand nimmt.

Sobald der Hund diesen Reiz wahr nimmt, folgt eine angenehme Konsequenz.

Beispiel:

Ein Hund wurde von seinem Vorbesitzer mit der Zeitung geschlagen. Der Anblick der Zeitung löst beim Hund Angstverhalten aus.

Der Hund hat gelernt:

Zeitung = Schmerz und Angst :-(

 

Wir verändern das Verhalten:

Dem Hund wird eine Zeitung gezeigt und er erhält ein schmackhaftes Stück Käse.

Der Hund lernt:

Zeitung = Käse und Freude :-)

 

Wir arbeiten also nicht am sichtbaren Verhalten des Hundes, sondern am unsichtbaren.

Angst entsteht im Kopf des Hundes und muß auch hier behandelt werden!

 

Wichtig zu wissen:

Angst kann nicht durch Belohnung verstärkt werden.

Angst wird nur durch angstauslösende Reize verstärkt!

 

 

Habituation (Gewöhnung an angstauslösende Reize, bis keine Angstreaktion mehr auftritt)

Die Reaktion auf einen Reiz schwächt sich ab, bis keine Reaktion mehr erfolgt.

Voraussetzung hierfür ist, daß der Reiz kontrollierbar ist.

Beispiel Zeitung:

Der Hund wird häufig mit Zeitungen konfrontiert. Es erfolgt aber keine für ihn relevante Konsequenz.

Der Hund lernt:

Zeitung = unwichtig

 

Wichtig zu wissen:

Das Gehirn reagiert auf Sinnesreize und unterteilt diese in wichtig oder unwichtig. Reize, mit denen eine positive oder negative emotionale Konsequenz verknüpft wurden, werden als wichtig weitergeleitet und werden dadurch sehr bewußt wahr genommen.

Reize, mit denen keine relevante Konsequenz abgespeichert wurde, werden als unwichtig erkannt und nur unterbewußt wahr genommen.

So ist zu erklären, daß man das Ticken der Wanduhr irgendwann nicht mehr hört.

 

 

Erlernen von Entspannungstechniken (wie entspanne ich meinen Hund in stressigen Situationen?)

Ein wichtiger Bestandteil des Trainings ist die konditionierte Entspannung. Dabei verbinden wir einen Gegenstand oder ein Signal mit einer völligen Entspannung des Hundes. Diesen Gegenstand oder dieses Signal können wir dann dem Hund in angstauslösenden und/oder stressigen Situationen geben. Das Gehirn des Hundes hat mit diesem Signal ein Gefühl von völliger Entspannung verbunden, wird sich daran erinnern und den Körper auf Entspannung einstellen. In diesem Moment sorgen wir für eine Reduzierung der Stresshormone.

 

 

Vermeidung von angst- und stressauslösenden Situationen

Die vorübergehende Vermeidung von angst- und stressauslösenden Situationen ist dann angebracht, wenn das Stresslevel des Hundes schon so hoch ist, daß ein Lernen nicht mehr möglich ist.

Kann man solchen Situationen nicht ausweichen, sollte der Hund ausreichende Ruhephasen haben um sich regenerieren zu können. Es kann dann sinnvoll sein, daß man die „normalen“ Spaziergänge ausfallen lässt, lieber eine kleinere Runde dreht oder den Spaziergang abbricht.

Es ist wenig hilfreich mit einem Hund trainieren zu wollen, dessen Gehirn auf Kampf oder Flucht eingestellt ist!

 

Angst- und stressauslösende Situationen sind natürlich vom jeweiligen Hund abhängig.

Jedoch können auch folgende Situationen zum Ansteigen des Stresslevels beitragen:

  • Hundeschule
  • Hundewiesen
  • Spaziergänge mit vielen Hunden/Menschen
  • Unkontrollierte Hetzspiele (Ball- oder Stöckchen werfen)

 

 

Ernährung anpassen

Auch auf die Ernährung von angstkranken und/oder gestressten Hunden sollte besonders geachtet werden. Der Körper benötigt bei Angst und Stress mehr Energie und Mineralstoffe. Dabei sollte auf möglichst frische Ernährung zurückgegriffen werden. Fertigprodukte enthalten oftmals Zusatzstoffe, die den Organismus unnötig zusätzlich belasten. Das Training beinhaltet daher auch immer eine individuelle Ernährungsberatung.